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Wenn Umweltschutz gegen Menschenrechte verstößt

Dieses Thema im Forum "Allgemeine Diskussionen" wurde erstellt von Del Aguila, 9 Februar 2017.

  1. Del Aguila

    Del Aguila New Member

    Registriert seit:
    9 Februar 2017
    Beiträge:
    1
    Einfache Konflikte
    Wenn das Thema Umweltschutz angesprochen wird, ist es für mich in der Regel nicht schwer, eine klare Stellung zu beziehen. Ich sehe den Menschen als kleinen Teil eines komplexen Systems und halte es für überlebensnotwendig, dass er sich in diesem System nachhaltig verhält. Ich kann auch eine klare Haltung gegen großflächige Regenwaldrodung, Massentierhaltung und arktische Ölpipelines beziehen, weil der moralische Konflikt nicht sehr groß ist: auf der einen Seite steht der Naturschutz, auf der anderen das profitorientierte Denken einiger Individuen. Ich finde es emotional und rational sehr einfach, mich auf die Seite des Naturschutzes zu stellen.

    Ähnlich ergeht es mir mit den Menschenrechten. Ich betrachte die Würde des Menschen als unantastbar und sehe in der Gleichberechtigung und dem Schutz von Minderheiten ein hohes Gut einer Gesellschaft. Auch dieser Standpunkt ist für mich moralisch einfach zu vertreten.

    Aber was passiert, wenn zwei dieser Werte plötzlich miteinander in Konflikt stehen? Wenn eine Situation entsteht, in der Umweltschutz Menschenrechte verletzt, in der durch Darstellung und Gegendarstellung plötzlich alles nicht mehr so einfach in das eigene moralische Spektrum einzugliedern ist?

    Beispiel eines nicht so einfachen Konflikts: der WWF und die Baka
    Im Februar 2016 reichte die NGO Survival International eine formelle Beschwerde bei der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) gegen den WWF- ebenfalls eine NGO- ein. Im Januar 2017 kündigte Survival International schließlich an, dass der OECD eine Untersuchung gegen den WWF eingeleitet hat. Es ist das erste Mal, dass eine solche Untersuchung gegen eine gemeinnützige Organisation geführt wird. Der OECD ist ein Zusammenschluss zahlreicher Länder zur Förderung der freien Marktwirtschaft. Er hat Richtlinien für multinantionale Unternehmen entwickelt, die u.a. dafür sorgen sollen, dass in ihren Projekten Menschenrechte respektiert werden.

    Konkret wirft Survival International dem WWF vor, Menschenrechtsverletzungen an den indigenen Baka in Kamerun finanziert zu haben. Der WWF unterstützt im Kongobecken mehrere Naturschutzprojekte, unter anderem eine Anti- Wilderei Einheit. Im Rahmen dieser Naturschutzprojekte sollen Baka aus ihrem Heimatgebiet vertrieben und von Anti- Wildereieinheiten regelmäßig misshandelt worden sein, unter anderem mit Todesfolgen.

    Der WWF hat zu diesen Vorwürfen eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin erklärt er, dass die Marginalisierung der Baka durchaus bekannt sei, dass der WWF sich jedoch „stets für die Rechte und die Anerkennung der indigenen Bevölkerung in Kamerun stark gemacht“ hat und für die Baka Sondernutzungszonen in den Naturschutzgebieten gelten. Außerdem würde der WWF Menschenrechtstrainings für die EcoGuards organisieren, unter diesen befinden sich auch einige Baka. Weiterhin wirft der WWF Survival International vor, nicht zu einem Dialog bereit gewesen zu sein, um den Hinweisen auf Menschenrechtsverletzungen gemeinsam nachzugehen.

    Die Untersuchtung des OECD läuft derzeit, die Beschwerde von Survival International kann hier in voller Länge nachgelesen werden.

    Woher kommt das Vertrauen?
    Als ich das erste Mal von diesem Fall erfuhr bemerkte ich, dass ich keine automatische emotionale Reaktion empfand. Hätte ich von einem Bergbauunternehmen gelesen, dass Indigene aus ihrer Heimat vertreibt- emotional wäre der Fall für mich klar gewesen: eine profitgierige Institution, die Menschenrechte verletzt. Ich bezweifle stark, dass ich anschließend nach der Gegendarstellung besagten Bergbauunternehmens gesucht hätte. Selbst jetzt, nachdem ich Vorwurf und Gegendarstellung gelesen habe, kann ich nicht instinktiv sagen, welcher Seite ich eher vertrauen würde. Mein Bauchgefühl versagt, ich brauche Fakten und muss weiter nach diesen Suchen.

    Wieso würde ich einer Institution instinktiv vertrauen, der anderen nicht? Ich bin noch auf der Suche nach der richtigen Frage zu dieser Situation. Viel mehr bin ich an euren Reaktionen auf diesen Konflikt interessiert. Geht es vielen ähnlich wie mir? Gibt es ganz andere Ansichten zu dem Thema? Ich würde mich freuen, von der Reaktion eures Bauchgefühls und weiteren Gedanken zu hören.


    Mit freundlichen Grüßen
     

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